Niebergallpreis 2020

Den Darmstädter Journalistenpreis erhalten 2020 Constantin Lummitsch (VRM), Johanna Christner (FAZ) und Samba Gueye (freischaffend).

Der Presseclub Darmstadt verleiht den Niebergall-Preis für herausragende journalistische Leistungen des Jahres 2020 an drei Journalisten. In der Kategorie „Zeit.Punkt.“ geht die Auszeichnung an Constantin Lummitsch (Darmstädter Echo/VRM) für seine Reportage „Ein Gedicht für Paula“. Darüber hinaus verleiht der Club zwei gleichwertige Nachwuchspreise an Johanna Christner (für „Wo ich zu Hause bin“, eine Reportage in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung) sowie an Samba Gueye für „Fred Hill – eine Heinerlegende“ (Blog Radiomontage). Die Jury hat alle Auszeichnungen einstimmig vergeben. Die Ausgezeichneten erhalten ein Preisgeld von jeweils 2000 Euro.

Der Niebergall-Preis wird alle zwei Jahre verliehen. Mit ihm soll auf besonders gelungene journalistische Beiträge über Darmstadt und die südhessische Region aufmerksam gemacht werden. „Wir sind sehr zufrieden, trotz der Corona-Pandemie auch in diesem Jahr wieder würdige Preisträger gefunden zu haben“, freut sich Eva Bredow-Cordier, Vorsitzende der Jury und stellvertretende Vorsitzende des Presseclubs.

Die Pandemie macht allerdings in diesem Jahr die ansonsten übliche festliche Preisübergabe nicht möglich. „Wir haben uns schweren Herzens entschieden, die Veranstaltung ausfallen zu lassen. Aber die Gesundheit unserer Gäste und unserer Mitglieder geht definitiv vor“, betont Lars Hennemann, Vorsitzender des Clubs. Die Preisträger sind bereits informiert und grüßen in Kürze digital von der soeben runderneuerten Homepage des Clubs. Mehr zum Niebergall-Preis, der Jury und zum Presseclub allgemein findet sich in neuem Design auf www.presseclub-da.de .

 

Und so würdigt die Jury die Arbeiten der Preisträger im Einzelnen.

 

Lars Hennemann schreibt zu Constantin Lummitsch: „Den Darmstädter Journalistenpreis in der Kategorie ZEIT.PUNKT verleiht die Jury einstimmig an Constantin Lummitsch für seine Reportage „Ein Gedicht für Paula“, die am 21. November 2019 im Darmstädter Echo und den übrigen Zeitungen der VRM (auch als multimediale Story) erschienen ist. Der Text behandelt das Thema der Armutsbestattungen und blendet zu diesem Zweck in handwerklich perfekter Manier von einem konkreten Fall aufs Allgemeine auf und wieder zurück. Empathisch, aber nie voyeuristisch oder gar anbiedernd nähert sich der Autor seinem schwierigen Sujet und erschafft so eine dichte Atmosphäre von Würde am Ende eines Lebens.“

Stellvertretend für die gesamte Jury würdigt Johannes Breckner die Geschichte von Johanna Christner: „Den Niebergall-Nachwuchspreis 2020 erhält Johanna Christner für ihren Beitrag „Wo ich zu Hause bin“, erschienen am 23. Februar 2020 in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Wenige Tage nach den Mordanschlägen von Hanau lenkt sie den Blick auf die kulturelle Vielfalt des Zusammenlebens, der die Attacke gegolten hatte. Die Autorin hat Mut zur subjektiven Perspektive, holt aber mit den eigenen Erinnerungen eine ganze Generation ins Blickfeld, deren bedrohten Alltag sie empathisch, detailreich und sogar mit Humor beschreibt. Dabei setzt sie die Mittel der sprachlichen Inszenierung bemerkenswert sicher ein. Von dieser Autorin möchten wir gerne mehr lesen – am liebsten über schönere Dinge.“

Jurymitglied Marc Wilhelm würdigt die Arbeit von Samba Gueye : „Den Niebergall-Nachwuchspreis 2020 verleiht die Jury einstimmig an Samba Gueye für seine Audio-Reportage „Eine Heinerlegende“, die am 29. Juli 2020 online auf einer nichtkommerziellen Website veröffentlicht wurde. Die Reportage handelt von dem schwarzen Darmstädter Fred Hill (1931–2004), der in den siebziger Jahren als US-Soldat nach Darmstadt kam und als Türsteher in der Kultkneipe „Goldene Krone“ ebenso Kultstatus erlangte. In dem Beitrag kommen in Form einer vielfältigen O-Ton-Collage Zeitzeugen zu Wort. Durch die geschickte, auch mit Musikeinspielungen versehene Montage gelingt es dem Autor, das Wirken des früheren GI und das Lebensgefühl der Seventies in Darmstadt für die Hörerin und den Hörer unterhaltsam und gleichsam spannend lebendig werden zu lassen.“

Impressionen

Fotos: Lummitsch und Christner: privat, Gueye: Kris Siewert